„Den Humor hab´ ich von meiner Mama“


In Sachen Lebensfreude kann man sich von Margarete J. (89) eine Scheibe abschneiden: „Den Humor hab´ ich von meiner Mama“, sagt die quirlige Seniorin, die nächstes Jahr ihren 90. Geburtstag feiert.

Ihren Optimismus ließ sich die Wienerin auch nicht nehmen, als ihr der Grüne Star vor zwanzig Jahren nach und nach das Augenlicht raubte. Heute ist sie auf einem Auge vollkommen blind, mit dem anderen kann sie noch schemenhaft sehen. „Die Herren in unserem Seniorenwohnhaus erkenne ich am besten von hinten – meist an der Form der Glatze“, schmunzelt die alte Dame und rasch wird klar: Sich vom Leben nicht unterkriegen zu lassen, hat auch mit einer bewussten Entscheidung zu tun.

Liebe zu Musik und Kultur.

Vor der Wiener Staatsoper werden Erinnerungen wach. Über 30 Jahre hatte sie hier ein Abonnement. Mit Puccinis Turandot („Das Nessun dorma hat der Pavarotti gesungen“) oder Bizets Carmen erholte sie sich vom herausfordernden Berufsalltag bei Felten & Guilleaume Stahl (heute Teil des Siemens-Konzerns), wo die HAK-Absolventin zur stellvertretenden Prokuristin aufstieg.

„Das Gehirn beschäftigen“, ist Frau J. auch in der Pension enorm wichtig. Neben Konzertbesuchen liebte sie früher auch Kreuzfahrten in ferne Länder wie Brasilien, danach pflegte sie mehrere Jahre ihre Mutter. Nun holt sich Frau Margarete J. die Welt in ihr kleines Apartment im Seniorenwohnhaus „Gustav Klimt“ in Wien-Penzing. Dort hört sie Ö1-Klassiksendungen und diverse Hörbücher, löst Rätsel und liest mithilfe einer großen elektronischen Lupe die Nachrichtentitel.

Unter Dach und Fach

Dass sie ihren Nachlass geregelt hat, ist für die betagte Dame eine große Erleichterung. Für das Testament, in dem sie vor 15 Jahren die Hilfsgemeinschaft der Blinden- und Sehschwachen als Alleinerbin eingesetzt hat, zog Margarete J. einen Notar zu Rate. Die Organisation kannte die Seniorin durch die Vorträge und Freizeitangebote. Später einmal wird sich die Hilfsgemeinschaft um Frau J. Begräbnis im Familiengrab am Meidlinger Friedhof kümmern.

Bis es soweit ist, wird der Wienerin nicht fad: „Ich möchte auf jeden Fall den 90-er feiern und die neue Heizung im Haus noch erleben.“ Ihr Rat für andere? „Ich schlafe jeden Abend mit einem guten Gedanken ein. Das hilft.“ – Da ist er wieder, dieser positive Zugang zum Leben.