Historische Beispiele für Testamentsspenden in Österreich

Vom barocken Wohltäter bis zur modernen Philanthropin - Testamentsspenden sind keine Erfindung der Neuzeit. In Österreich haben sie eine jahrhundertelange Tradition....

Testamentsspenden sind keine Erfindung der Neuzeit. Wie in einem vorangegangenen Blogbeitrag erwähnt, geht die erste dokumentierte Testamentsspende der Welt auf das antike Griechenland zurück und ist eng mit dem berühmten Philosophen Plato verbunden. Doch wie sieht es historisch betrachtet mit Testamentsspenden in Österreich aus? Dieser Frage wollen wir uns in diesem Beitrag widmen:

Auch in Österreich haben Testamentsspenden eine jahrhundertelange Tradition. Schon lange bevor es professionelle Fundraising-Kampagnen oder steuerliche Anreize gab, nutzten vermögende Bürger:innen ihr Testament, um bleibende Spuren im sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Leben zu hinterlassen. Ein Blick in die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und nachhaltig diese Vermächtnisse wirken konnten – und oft bis heute wirken.

Wohltäter des 18. Jahrhundert

Johann Adam Pruner († 1730) – Linz

Der Linzer Bürgermeister Johann Adam Pruner hinterließ 1730 ein Testament zugunsten von Armen und Waisen. Er stiftete Gebäude, finanzierte eine Kirche und versorgte Bedürftige – Zeugnis einer frühen testamentarischen Form des philanthropischen Engagements in Österreich.

Jakob Damian († 1763) – Kirchberg am Wagram

Der Tuchhändler und spätere Bürgermeister stiftete schon zu Lebzeiten ein Kapital von 5.000 Gulden , dessen Erträge Bedürftige in seiner Heimatgemeinde unterstützten. Sein Testament sicherte diese Hilfe dauerhaft – ein frühes Beispiel für eine „Stiftung auf Lebenszeit“.

Sigmund Haffner der Jüngere († 1787) – Salzburg

Der wohlhabende Kaufmann und Politiker Sigmund Haffner hinterließ ein gewaltiges Vermögen, das unter anderem an Waisenhäuser, Spitäler und Bildungseinrichtungen ging. Über 1,1 Millionen Gulden flossen so in die Armenhilfe und ins Bildungswesen. Noch heute erinnert die Haffnerstraße in Salzburg an ihn.

Mäzene des 19. Jahrhunderts

Mathias Bayrhamer († 1845) – Salzburg

Bayrhamer, ein angesehener Bürger und Kaufmann, vermachte über 100.000 Gulden für die Unterstützung armer, alter und gebrechlicher Menschen in seiner Stadt. Die Zinsen seines Nachlasses finanzierten langfristig Spitäler, Armenhäuser und soziale Einrichtungen.

Ignatz Lieben († 1862)   – Wien

Ignatz Lieben, Industrieller aus Wien, verankerte in seinem Testament die Einrichtung eines Preises für herausragende wissenschaftliche Leistungen. In seinem Testament verfügte Ignatz Lieben, dass alle drei Jahre 10.000 Gulden „für das allgemeine Beste“ verwendet werden sollte. Von 1865 bis 1937 wurde der als „österreichischer Nobelpreis“ hoch angesehene Lieben-Preis vergeben. Der „Lieben-Preis“ galt lange als eine der wichtigsten naturwissenschaftlichen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum – ein Vermächtnis, das Forschung nachhaltig förderte.

Im Jahre 1937 musste die Verleihung der Preise auf Grund der Verfolgung der Stifterfamilie durch die Nationalsozialisten eingestellt werden.

Die großzügige finanzielle Unterstützung durch Isabel und Alfred Bader, die 1938 aus Österreich nach Großbritannien flüchten konnten, ermöglichte es, den Preis zu reaktivieren und im Jahr 2004 wieder neu auszuschreiben.

Vermächtnisse des 20. Jahrhunderts

Philipp Thorsch (†1905) & Ernestine Thorsch (†1912)  – Wien

Philipp Thorsch, ein Bankier, hinterließ ein beträchtliches Vermögen (ca. 22 Mio Kronen) und vermachte nennenswerte Summen an gemeinnützige Zwecke über sein Testament. Auch seine Witwe Ernestine unterstützte soziale Institutionen mit über 600.000 Kronen.

Margaretha Lupac († 1999) – Wien

Die Philanthropin und langjährige Rotkreuz-Helferin vermachte ihr gesamtes Vermögen der Republik Österreich. Daraus entstand die Margaretha-Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie, die bis heute Projekte fördert, welche politische Bildung und demokratische Werte stärken.

Testamentsspenden an gemeinnützige Organisationen

Im 20. Jahrhundert begannen auch verstärkt gemeinnützige Organisationen durch Testamente unterstützt zu werden. Hinter diesen Zuwendungen standen oft persönliche Lebensgeschichten – etwa eigene Krankheitserfahrungen, Fluchterlebnisse oder die tiefe Verbundenheit zu einer Organisation.

Was diese Beispiele zeigen

  • Testamentsspenden sind in Österreich tief verwurzelt.
  • Sie wurden schon in Zeiten genutzt, in denen „Fundraising“ noch kein gängiger Begriff war.
  • Die Motivation ist zeitlos: das eigene Leben mit einem letzten Akt der Großzügigkeit überdauern zu lassen.

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Anna M.

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